Eröffnungsveranstaltung am 15. April 2011
»Sprache - Schrift und Laut«

Am Nachmittag des 15.4.2011 stellte sich das Zürcher Kompetenzzentrum Linguistik (ZüKL) der Öffentlichkeit vor. Das Programm bot in Vorträgen, Poster- und Computerpräsentationen einen Überblick über linguistische Arbeitsfelder.

Die vier halbstündigen Vorträge behandelten das Thema "Schrift und Laut" aus verschiedenen Perspektiven:

Vorträge

Elvira Glaser: "Schreiben, wie man spricht?"

Der Vortrag von E. Glaser beleuchtete das komplexe Verhältnis von Schreiben und Sprechen, von Schreibung und Lautung, mit Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart. Die Mühen der frühesten Schreibversuche im Deutschen kamen dabei ebenso zur Sprache wie das Schreiben in Mundart. In dem Vortrag wurde erläutert, warum es auch beim alphabetischen Schreiben nicht um Lautschrift geht. Glaser führte aus, dass Schreiben(können) eine gegenüber dem Sprechen sekundäre
Kulturtechnik ist. Einmal erlernt, entstehe für viele Menschen eine enge
Bindung an die jeweilige Schrift und die Schreibkonventionen. Änderungen
daran seien geeignet, die Gemüter zu erhitzen, wie die Diskussionen um
die jüngste Rechtschreibreform gezeigt haben.

Martin Meyer: "Die Sprache des Gehirns"

Der Vortrag von M. Meyer lieferte eine Übersicht über neuere Ansätze in den kognitiven Neurowissenschaften zu der Frage, wie die 'Sprache des Gehirns' modelliert werden kann. Es ging im weiteren auch um die Frage, wie das Gehirn Sprache versteht. Obwohl die Neurowissenschaften keine befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Funktionieren menschlicher Sprache als kognitivem System geben könne, liefern sie wertvolle Erkenntnisse zum Verständnis von Sprachverarbeitungsprozessen. Der Vortrag ging auch der Frage nach, ob sich die Lautsprache in ihrer akustischen Form der funktionellen und strukturellen Architektur des Gehirns angepasst haben könnte. Dies könnte einen Hinweis auf eine neurobiologische Präferenz für Lautsprache als der primären Modalität menschlicher Kommunikation liefern.

Elisabeth Stark und Christa Dürscheid: "Das Schweizer SMS-Korpus"

Das Schreiben von SMS folgt oft der Lautung, wie z. B. in dem Text Guete morge mis schnäggehüsli Sry, dass ih nid abgno ha. Im Vortrag von E. Stark und C. Dürscheid wurde das Schweizer Korpus authentischer SMS vorgestellt (cf. www.sms4science.ch). Auf der Grundlage dieser Daten wurde die Frage untersucht, welche Regularitäten des jeweiligen Sprachsystems (Deutsch/Französisch) auch im normfernen Schreiben gelten. Die Existenz solcher Regularitäten lassen vermuten, dass es sich dabei um unhintergehbare Prinzipien handelt.

Georg Bossong: "Schriftentstehung und Typologie der Schriftsysteme"

Der Vortrag von G. Bossong widmete sich zum einen der Entstehung von Schrift und zum anderen der Typisierung der Schriftsysteme. Bezüglich Letzterem unterscheidet G. Bossong fünf Typen, wobei sich einer der Typen unterteilt in zwei Untertypen: Logographsiche Schriften (z. B. Chinesisch, Kanji), Syllabische Schriften (z. B. Iberisch, Katakana und Hiragana), phonemische Konsonantenschriften (z. B. die semitische Schrift Abdjad), phonemische Alphabetschriften mit bzw. ohne Differenzierung von Konsonanten und Vokalen (z. B. Griechisch, Lateinisch, Georgisch bzw. Äthiopisch, Devanagari), phonotypische Schriften (z. B. Hangul). Bei den Typen handelt es sich nicht um Klassen, da ein Alphabet z. B. Eigenschaften mehrerer Typen aufweisen kann.

Im Anschluss an die vier Vorträge präsentierten im Rahmen einer Postersession Mitglieder des ZüKL ihre Projekte. Dabei gab es Gelegenheit, mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die Ziele, Methoden und Ergebnisse ihrer linguistischen Projekte ins Gespräch zu kommen. In der folgenden Liste "Posterpräsentationen" finden Sie die pdf-Dateien der präsentierten Poster. Zudem gab es - zum Teil ergänzend zu einem Poster - Computerpräsentationen zu folgenden Projekten: Dependenzparser zum Englischen, Gesprächsanalyse interaktiv, Korpus zum Englischen: ICE Fiji, Korpus zur Negation im Französischen, Korpus zum Schweizerdeutschen: Archimob, SMS-Korpus.

Liste der Präsentationen (PDF, 118 KB)

Posterpräsentationen:

Neben den projektbezogenen Posterpräsentationen wurden auch Poster mit Informationen zu linguistischen Ausbildungsprogrammen an der UZH ausgestellt: