Call for Papers: Hybridisierung und Differenzierung - Kontrastive Perspektiven linguistischer Medienanalyse

Kommunikative Muster sind sowohl für die journalistischen Praktiken der Kommunikatoren als auch für die Orientierung und die Erwartungshaltung der Rezipienten von zentraler Bedeutung. Während in medienlinguistischen Zusammenhängen mit Begriffen wie Textsorte, Gattung, Genre, Format häufig die Stabilität kommunikativer Muster betont wird, will die Tagung den Blick auf die Dynamiken richten, die durch die produzenten- und rezipientenseitige Verwendung dieser Muster in Gang gesetzt werden und teilweise auch ihren Niederschlag in entsprechenden Begriffen finden ("Doku-Soap", "Publi-Reportage").

Hybridisierung und Differenzierung sind zwei Prozesstypen, die für die Geschichte massenmedialer Texte von grundlegender Bedeutung sind: So werden für ein Medium neue Textmuster in der Regel nicht vollkommen neu entwickelt, sondern es werden typischerweise Merkmale bereits existierender Textsorten (teilweise auch aus anderen medialen Zusammenhängen) übernommen, adaptiert und transformiert. Durch Hybridisierung wie auch durch (Aus-)Differenzierung von Bestehendem können neue Textsorten entstehen, die entweder bestehende Textsorten ablösen und somit etablierte Kommunikationspraktiken ersetzen oder es kann zu einer Ergänzung des bisherigen Textsortenrepertoires kommen. In beiden Fällen zeigt sich die Notwendigkeit, die Aufmerksamkeit nicht allein auf einzelne, isoliert betrachtete Textsorten, sondern auch auf ganze Systeme von Textsorten zu richten. Denn erst der Blick auf ganze Textsortenverbünde zeigt, welche Auswirkungen Hybridisierung und Differenzierung auf den "kommunikativen Haushalt" haben.

Während mit dem Konzept der Hybridisierung die Annahme der Existenz zweier (oder mehrerer) Ganzheiten einhergeht, die sich auf unterschiedliche Weise mischen, basiert das Konzept der Ausdifferenzierung auf der Annahme, dass sich eine etablierte Textmusterkonfiguration in zwei oder mehr stabil zu beobachtende Konfigurationen aufteilt. Aspekte der Hybridisierung und der Ausdifferenzierung lassen sich sowohl auf der Ebene der Formen, der Inhalte wie auch auf der Ebene der Funktionen beobachten.

Welche Arten und welche Kontexte der Hybridisierung und Ausdifferenzierung zu beobachten sind, soll an der Tagung ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt werden. Dabei ist die kontrastive Perspektive in besonderer Weise geeignet, um die Frage zu diskutieren, welche (technischen, funktionalen, sozialen, kulturellen) Faktoren Hybridisierung und Ausdifferenzierung begünstigen - oder allenfalls beschränken. Von Interesse sind hier sowohl Analysen und Typologisierungen von Hybridisierung und Ausdifferenzierung als auch Erklärungen für die beiden Phänomene.

Detaillierte Fragestellungen sind in der pdf-Datei "Call for Papers Hybridisierung" auf Seite 2 und 3 ausgeführt.

Call for Papers Hybridisierung (PDF, 133 KB)

Erwünscht sind Beiträge, die zur theoretischen Weiterentwicklung beitragen, ebenso wie Beiträge, die methodologische Probleme aufgreifen, und Beiträge, die theoriegeleitet empirische Befunde zur Diskussion stellen. Dabei ist nicht allein an Produktanalysen zu denken, sondern es sind auch produktions- und rezeptionsorientierte Ansätze möglich.

Alle interessierten Forschenden sind eingeladen, sich mit einem Vortrag an der Tagung zu beteiligen. Geplant sind Beiträge von 20 Minuten Dauer, gefolgt von 10 Minuten Diskussion. Bitte reichen Sie bis zum 8. Januar 2012 ein Extended Abstract (max. 5000 Zeichen, inkl. Literaturangaben) an folgende Adressen ein: stefan.hauser@ds.uzh.ch, luginbuehl@ds.uzh.ch

Für die Auswahl der Tagungsbeiträge sind folgende Kriterien ausschlaggebend:

  • Bezug zum Tagungsthema (bevorzugt werden Beiträge, die sich mit journalistischen massenmedialen Texten beschäftigen)
  • Klarheit und Prägnanz der Darstellung
  • Theoretische und methodologische Fundierung
  • Innovativität der Fragestellung

Es ist geplant, bis Anfang März 2012 die TeilnehmerInnen und damit das Programm festzulegen und Sie in der Folge über Anmeldungsmodus, Unterkunft und organisatorische Fragen näher zu informieren. Eine Publikation der Beiträge ist geplant. Für weitere Fragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung. Wir würden uns freuen, wenn Sie diesen Call an interessierte KollegInnen weiterleiten könnten.

Dr. Stefan Hauser und Dr. Martin Luginbühl

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