Spanischlernen ab 65


Überblick

Im Projekt „Spanischlernen ab 65“ (languAGE) untersuchen wir, welche Rolle die kognitive Leistungsfähigkeit – wie beispielsweise die Aufmerksamkeit – und motivationale Faktoren beim Erlernen einer neuen Fremdsprache (Spanisch) im Alter spielen. Ziel dabei ist es herauszufinden, zu welchem Zeitpunkt des Sprachenlernens kognitive Fähigkeiten die Sprachentwicklung beeinflussen, und zu bestimmen, ob das Sprachenlernen selbst kognitive und kommunikative Verbesserung mit sich bringt, und inwiefern der soziale Austausch davon beeinflusst wird.

Teilnehmende führen über einen Zeitraum von 7 Monaten (Beginn Oktober 2018) ein softwaregeleitetes, individuelles Spanischtraining am eigenen PC, Tablet oder Smartphone durch, welches durch wöchentliche angeleitete Gruppenlektionen an der Universität Zürich ergänzt wird.

spainbrain


Sprachenlernen bei älteren Erwachsenen

Mit steigender Lebenserwartung unserer Gesellschaft steigt auch die Anzahl an Menschen im sogenannten „dritten Lebensalter“. Mit 65 Jahren beginnt für die meisten Schweizer ein neuer Lebensabschnitt – der Ruhestand als eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung und neuer persönlicher Herausforderungen. Universitäten des dritten Alters, wie die Seniorenuniversität Zürich, sind hoch im Kurs und zeigen, dass das Lernen keine Altersgrenze kennt.

Die Beweggründe, im späteren Leben eine neue Sprache zu erlernen, können verschiedener Natur sein, sei es als persönliche Herausforderung, als Kommunikationsmittel auf Reisen oder mit Fremdsprachigen in der Familie oder im Freundeskreis, zum Verständnis fremdsprachiger Literatur oder Filme, um nur ein paar zu nennen. Die individuellen Anforderungen für das Lernen in dieser Altersgruppe sind aber bisher wenig erforscht. Dementsprechend gibt es auch kaum Lehrmaterial oder Sprachkurse, welche sich an ältere Erwachsene als eigenständige Lerngruppe mit spezifischen Lernbedürfnissen richten. In der bisherigen Forschung wird oft nur zwischen Spracherwerb bei Kindern und Erwachsenen unterschieden. Junge und ältere Erwachsene unterscheiden sich jedoch sehr stark in ihrer Motivation, ihrer Lebenserfahrung, dem beruflichen und privaten Umfeld etc., was zu unterschiedlichen Lernbedingungen, –bedürfnissen und -erfolgen führt.

Auch zeigt die bisherige Forschung, dass die kognitive Leistungsfähigkeit im Alter – wie beispielsweise das Arbeitsgedächtnis – den Lernfortschritt eines Fremdsprachentrainings entscheidend mitbestimmt. Schliesslich ist die Fähigkeit, eine neue Sprache zu erwerben, eine der komplexesten kognitiven Fähigkeiten, derer der Mensch fähig ist. Es gibt Hinweise, dass sich schon anhand der Aktivität des ruhenden Gehirns voraussagen lässt, welcher Lernfortschritt bei einem/r Lernenden zu erwarten ist, und es gilt zu erforschen, inwiefern diese Erkenntnisse für die älteren Lernenden genutzt werden können.

Im Rahmen eines interdisziplinären Projektes des Zürcher Kompetenzzentrums für Linguistik und des Psychologischen Instituts der Universität Zürich führen wir deshalb erstmals eine wissenschaftliche Studie über mehrere Monate durch, in welcher Personen zwischen 65 und 75 Jahren Spanisch als Fremdsprache lernen. In der Trainingsstudie lernen die Teilnehmer über 7 Monate (Beginn Oktober 2018) Spanisch von zuhause aus mittels einer Sprachlernsoftware, und treffen sich ein Mal pro Woche in von einer Lehrperson geleiteten Gruppenlektionen. Bei diesen Lektionen wird neben den Sprachkenntnissen die kognitive Leistung sowie die Gehirnfunktion untersucht.