KLIP 2013

Auch 2013 hat das ZüKL Gelder zur Förderung Kleiner LInguistischer Projekte (KLIP) bereitgestellt. Von acht eingegangenen Anträgen wurden fünf ausgewählt, die mit 22'210 CHF gefördert werden. Unten finden Sie kurze Beschreibungen der Projekte.

Entsteht linguistische Salienz im Gehirn?

  • ID: KLIP-2013-1
  • Antragsteller:
    Anja Hasse (Deutsches Seminar), Martin Meyer (Psychologisches Institut), Adrian Leemann (Phonetisches Laboratorium)
  • Inhalt:
    Die subjektive Auffälligkeit sprachlicher Merkmale wird in der Linguistik als Salienz bezeichnet. Salienz bietet eine Erklärung für viele sprachliche Phänomene, z.B. für Aspekte des Sprachwandels: saliente Merkmale sind dem Wandel stärker ausgesetzt als wenig saliente. Projekt 1 wird anhand einer konkreten Pilotstudie sondieren, inwiefern das Konzept der Salienz eine empirisch erfassbare kognitive Realität wiederspiegelt.
    Hierzu werden Experimente mit schweizerdeutschem Dialektmaterial durchgeführt. Sprechern verschiedener Dialekte (Zürichdeutsch/Berndeutsch) werden Tonaufnahmen aus dem eigenen und dem jeweils anderen Dialekt präsentiert. Die neurologische Reaktion auf diese Stimuli wird anhand einer EEG gemessen. Zusätzlich müssen die Sprecher beurteilen, ob sie den Stimulus dialektal verorten können oder nicht.
    Die Pilotstudie soll einen Beitrag zum Antrag für ein SNF-Projekt leisten, das sich mit verschiedenen Fragen der Salienztheorie in einem weiteren Rahmen beschäftigen wird.

Muster und Variation auf Ansichtskarten

  • ID: KLIP-2013-2
  • Antragsteller:
    Heiko Hausendorf (Deutsches Seminar), Angelika Linke (Deutsches Seminar), Martin Volk (Institut für Computerlinguistik)
  • Inhalt:
    Ansichtskarten sind eine Textsorte, die jeder kennt und die einen wichtigen Teil der modernen Urlaubskultur bilden, haben aber bislang vonseiten der Linguistik wenig Aufmerksamkeit erhalten. Projekt 2 möchte dies ändern.
    Am Deutschen Seminar liegt bereits eine umfangreiche Sammlung von ca. 6000 Ansichtskarten vor. Diese soll in einem noch zu beantragenden, grenzüberschreitenden SNF-Projekt korpus- und computerlinguistisch aufbereitet werden - aufgrund des neuen Genres und sprachlicher Schwierigkeiten (Wechsel zwischen Standarddeutsch und Dialekt) eine grosse Herausforderung. Das fertige Korpus soll dann als Basis von Untersuchungen zu den textlinguistischen Besonderheiten von Ansichtskarten sowie ihrer Stellung in der Kultur- und Kommunikationsgeschichte dienen.
    Um den Antrag beim SNF zu ermöglichen, sind umfangreiche Vorarbeiten nötig, die auch in Abstimmung mit bereits erfolgten Arbeiten am Korpus erfolgen müssen. Projekt 2 widmet sich sowohl diesen Vorarbeiten als auch der Ausarbeitung des eigentlichen Antrags.
  • Abschlussbericht
  • Folgeprojekt: SNF und DFG Kooperationsprojekt "Textsortenentwicklung zwischen Standardisierung und Variation: Das Beispiel der Ansichtskarte. Text- und korpuslinguistische Untersuchungen zur Musterhaftigkeit privater Fern- und Alltagsschriftlichkeit" mit Joachim Scharloth (TU Dresden)

Wortartenannotation in historischen Korpora

  • ID: KLIP-2013-3
  • Antragsteller:
    Marianne Hundt (Englisches Seminar), Gerold Schneider (Institut für Computerlinguistik und Englisches Seminar)
  • Inhalt:
    Das ARCHER-Korpus, an dessen Aufbau auch das Englische Seminar der UZH beteiligt ist, ist eine 3,3 Mio. Wörter grosse Sammlung historischer Texte aus dem Zeitraum 1650-1999. Damit solche Korpora auch linguistisch nutzbar werden, werden Sie annotiert, d.h. mit zusätzlichen linguistischen Informationen angereichert. Eine wesentliche Ebene ist hierbei die Wortartenannotation (POS tagging).
    Das ARCHER-Korpus ist zwar bereits nach Wortarten annotiert. Herkömmliche Tagger erbringen aber bei historischen Texten aufgrund der vielen unbekannten oder veränderten Wörter schlechtere Leistungen als bei modernen Texten. Automatisch getaggte Texte müssen daher für ein befriedigendes Ergebniss manuell nachbearbeitet werden. Dies soll in einem zu beantragenden SNF-Projekt geschehen.
    Ziel der vorliegenden Pilotstudie ist es, in Vorbereitung auf diesen Antrag die Outputs zweier Tagger (CLAWS und Tree-Tagger) zu vergleichen. Dabei soll insbesondere überprüft werden, ob die manuelle Nachbearbeitung sinnvoll beschleunigt werden kann, wenn nur Fälle betrachtet werden, in denen die beiden Tagger verschiedene Ergebnisse geliefert haben.
  • Abschlussbericht: Download

Datenbank für Kongruenz in italoromanischen Dialekten

  • ID: KLIP-2013-4
  • Antragsteller:
    Michele Loporcaro (Romanisches Seminar)
  • Inhalt:
    Die typologische Forschung zur Kongruenz (also zur Übereinstimmung z.B. zwischen Verb und Subjekt oder Nomen und Adjektiv) hat sich traditionell auf aussereuropäische, "exotische" Sprachen konzentriert, um ungewöhnliche oder theoretisch schwierige Phänomene zu erfassen.
    Erstaunliche Kongruenzsysteme einschliesslich grosser Varianz finden sich aber auch in Europa, z.B. in den italoromanischen Dialekten. Deren Einbezug kann nicht nur das typologische Bild vervollständigen, sondern auch neue Erkenntnisse zur historischen Entwicklung von Kongruenzsystem liefern.
    Projekt 4 wird ein Annotationssystem für Kongruenzphänomene in vorhandenen Texten aus sechs italoromanischen Dialekten entwerfen und mit dem Design einer Filemaker-Datenbank den Grundstein für die Annotation legen. Die Annotation selbst sowie die Füllung der Datenbank und die Auswertung der Daten sollen dann zu einem späteren Zeitpunkt über ein zu beantragendes SNF-Projekt erfolgen.
  • Abschlussbericht:
  • Folgeprojekt: "The Zurich database of agreement in Italo-Romance" funded by the SNSF (total 666'064 CHF).

Online-Portal für das ZEKO

  • ID: KLIP-2013-5
  • Antragsteller:
    Elvira Glaser (Deutsches Seminar)
  • Inhalt:
    Das Zürcher Elektronische Korpus von Sprachvarietäten (ZEKO) ist eine Sammlung von transkribierten Dialektaufnahmen aus der Deutschschweiz und dem Tessin. In vorangegangenen Kleinprojekten ist dieses Korpus bereits erweitert, digitalisiert und für die Abfrage über eine Webseite vorbereitet worden.
    Projekt 5 plant, die bestehenden Strukturen an zwei Stellen zu ergänzen. Zum einen sollen weitere Texte, die im Phonogrammarchiv vorliegen, mittels OCR digitalisiert und zum Korpus hinzugefügt werden. Zum anderen soll die momentan noch nicht für die Allgemeinheit geöffnete Webschnittstelle weiter verbessert werden. Diese Arbeiten leisten auch einen Beitrag zu einem SNF-Antrag, der gleichzeitig ausgearbeitet werden soll und die weitere Vergrösserung des ZEKO zum Inhalt hat.
  • Abschlussbericht: Download