Reihe "Hot Topics in Linguistics"

Was sind die "Hot Topics in Linguistics"?

Die Reihe "Hot Topics in Linguistics" stellt eine Neukonzeption des Linguistischen Forschungskolloquiums dar. Die Veranstaltungsreihe wird finanziell unterstützt vom Graduate Campus UZH (CHF 10'000). Sie wurde initiiert und wird organisiert von:

Charlotte Meisner M.A. Link

Dr. Martin Businger Link

Dr. Simon Clematide Link

In der Veranstaltungsreihe "Hot Topics in Linguistics" werden an sechs Abenden im Frühjahrs- und Herbstsemester 2013 jeweils zwei bis drei Experten zu aktuellen linguistischen Themen Vorträge halten. Die Themen stammen nicht nur aus den sprachwissenschaftlichen Disziplinen (Anglistik, Romanistik, Germanistik etc.), sondern es werden auch interdisziplinäre Fragestellungen aus der Computerlinguistik, der Psychologie und der Soziologie aufgenommen. Das Konzept der Reihe sieht vor, dass zwei Referierende eingeladen werden, die sich jeweils in einem 20-minütigen Input-Vortrag kontrovers zu einer Fragestellung äussern und anschliessend in einer Podiumsdiskussion auf Fragen aus dem Publikum eingehen. Jede Veranstaltung wird von einem UZH-Team organisiert, das aus Doktorierenden, Postdoktorierenden, Professorinnen und Professoren besteht. Insgesamt sind rund 20 Personen (mehrheitlich aus dem Mittelbau) von sechs UZH-Instituten in die Organisation der Reihe involviert.

Im Rahmen von Hot Topics in Linguistics können ECTS-Punkte im Master und Doktorat erworben werden. Link zum Vorlesungsverzeichnis

Thema 1: Regelbasierte oder statistische Methoden - was wird der menschlichen Sprachverarbeitung eher gerecht? (28.2.2013)

Conference language: English

Referierende: Jonas Kuhn (Stuttgart), Dagmar Divjak (Sheffield)

Mehrere Jahrzehnte lang wurde computerbasierte Sprachverarbeitung (Analyse, Übersetzung usw.) mit handgeschriebenen Regeln entwickelt. Diese folgten häufig der Chomskyschen Grammatik-Tradition. Seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts werden vor allem statistische Verfahren verwendet, die auf maschinellen Lernverfahren beruhen. Das wirft einerseits die Frage auf, welches Vorgehen eher kognitiv adäquat ist, und andererseits, welches Verfahren zu besseren computerbasierten Sprachanalysen führt.

For some decades manually compiled rules have been central to computer-based language processing (analysis, translation, etc.). These rules often followed Chomsky's grammar tradition. Since the 1990s we have seen a paradigm shift towards statistical methods and machine learning. This raises the questions which approach is more adequate to model human cognitive behavior and on the other hand which approach leads to better computer-based language processing systems.

Organisation: Balthasar Bickel, Simon Clematide, Annette Rios, Martin Volk

Termin: 28.2.2012, 16.15 Uhr; Raum KO2-F-175.

Thema 2: Linguistik ohne Sprache? (25.4.2013)

Referierende: Stephan Wolff (Hildesheim), Hartmut Stöckl (Salzburg)

Wenn man multimodale Texte und multimodale Interaktionen untersucht, kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man sich fragen muss, was Linguistik zur Untersuchung des Nicht-Sprachlichen beitragen kann. Was kann die Linguistik zur Untersuchung von multimodalen Texten beitragen, in denen Schrift nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, und was ist mit Texten, die ganz ohne Schrift auskommt ("Bildlinguistik")? Was macht die linguistische Gesprächsanalyse mit Gesprächsmomenten, in denen nicht gesprochen wird ("verbale Abstinenz") oder in denen Objekte eine herausragende Rolle spielen?

Organisation: Wolfgang Kesselheim, Stefan Hauser

Termin: 25.4.2013, 16.15 Uhr; Raum KO2-F-175.

Thema 3: Wörter oder Phrasen - was sind Komposita? (2.5.2013)

Conference language: English

Referierende: Alec Marantz (NYU), Ingo Plag (Düsseldorf)

Seit langem wird diskutiert, ob Komposita als vorgeformte Einheiten eines (vor-syntaktischen) Lexikons angesehen werden sollten oder ob sie durch syntaktische Prozesse entstehen. Vertreter des morphologischen Ansatzes sehen klare Unterschiede zwischen 'echten' Komposita (Schnellzug), lexikalischen Phrasen (gelbe Seiten) und syntaktischen Prozessen (schneller Zug). Vertreter des syntaktischen Ansatzes plädieren eher dafür, die genannten Beispiele innerhalb einer einzigen syntaktischen Komponente zu erklären. Es wäre auch vorstellbar, dass innerhalb einer Sprache sowohl morphologische als auch syntaktische Komposita vorliegen. Die verschiedenen Ansätze wurden hauptsächlich für germanische Sprachen entwickelt. In der Podiumsdiskussion sollen sie auch auf andere Sprachen angewandt weden.

Organisation: Natascha Pomino, Elisabeth Stark

Termin: 2.5.2013, 16.15 Uhr; Raum KO2-F-175.

Thema 4: Gender and Language (19.9.2013)

Referierende: Ivo Hajnal (Innsbruck), Sabine Sczesny (Bern), Antje Lann Hornscheidt (Berlin)

Kann die Sprachpraxis von der Gesellschaft oder von gesellschaftlichen Gruppen gesteuert werden? Dieser Frage widmet sich der Themenabend "Gender and Language". Sprache ist das wichtigste Symbolsystem jeder Gesellschaft. Darin spiegeln sich nicht nur Eigentümlichkeiten der Einzelsprache wider, wie z. B. die vorhandene, nicht-vorhandene oder sich wandelnde Kategorie des grammatischen Geschlechts, sondern auch tradierte Werte, wie etwa Höflichkeit. Das Thema "Gender and Language" zielt auf die Frage nach der Repräsentationsfunktion von Sprache ab, einerseits mit Bezug auf die Abbildung des Verhältnisses zwischen Männern und Frauen und andererseits in Bezug auf die in demokratischen Gesellschaften angestrebte Gleichstellung von Mann und Frau.

Organisation: Agnes Kolmer, Chris De Wulf, Angelika Linke

Termin: 19.9.2013, 16.15 - 18:00 Uhr; Raum KO2-F-150.

Thema 5: Dichotomien oder Skalen - welche Modelle zur Beschreibung der Subjekt-Verb-Kongruenz im Romanischen? (31.10.2013)

Referierende: Cecilia Poletto (Frankfurt), Daniel Jacob (Freiburg i. Br.)

In den sprachwissenschaftlichen Domänen der Syntax und Morphologie wird traditionell mit binären Kategorien gearbeitet, was angesichts der Taxonomie von Sprachstrukturen unabdingbar erscheint. Tatsächlich führt dies jedoch nicht selten zu Zuordnungsproblemen. Ein bekanntes Beispiel ist die Subjekt-Verb-Kongruenz, welche als diachrone Skala zwischen einem freien Personalpronomen und einem fusionierten Affix beschrieben worden ist. Verschiedene Ausprägungen dieses Kontinuums sind heute synchron in den romanischen Sprachen und Varietäten zu beobachten. Im modernen Französisch können diese entweder als Interaktion zweier Grammatiken beschrieben werden oder alternativ als sprachliche Variation auf einer Skala innerhalb einer einzigen Grammatik. Welchen Mehrwert bieten diese beiden Betrachtungsweisen jeweils? Können Skalen möglicherweise in feinkörnige binäre Oppositionen aufgebrochen werden?

Organisation: Charlotte Meisner, Lorenzo Filipponio

Termin: 31.10.2013, 16.15 - 18:00 Uhr; Raum KO2-F-150.

Thema 6: What is universal in language acquisition? (5.12.2013)

Referierende: Elena Lieven (Leipzig), Virginia Valian (City University of New York, Hunter College)

Language acquisition research is divided by two different theoretical approaches: nativist vs. usage-based approaches. Nativist theories make strong assumptions about innate, modular linguistic structure. Usage-based accounts, by contrast, only assume general cognitive abilities, most of which are not even specific to humans. In usage-based approaches only the specific combination of these abilities makes humans different froom other species and enables language and language learning. Even though there is still a big divide between the two approaches both habe to explain how children extract their knowledge from their linguistic and cultural contexts. Differences and commonalities in the answer to this question shall be discussed by proponents of the two approaches.

Organistion: Sabine Stoll, Miriam Dittmar, Aurélia Robert-Tissot

Termin: 05.12.2013, 16.15 - 18:00 Uhr; Raum KO2-F-150